
Material- und Objekttheaterworkshop:
Orla und die Wilde Jagd
Der Workshop an der Schaubude Berlin erkundete den Roman "Orla und die Wilde Jagd" und tauchte dabei tief in die Materialität der Figuren und die reiche Gegenstandwelt des Textes ein. In den Bühnen- und Werkstatträumen des Theaters konnte die teilnehmende Klasse der Grundschule an der Marie auf besondere Weise in Berührung mit dem Buch kommen. Statt des stillen Lesens waren es die Bildwelten, Objekte und Wesen des Romans, die für drei intensive Tage die Schüler*innen beschäftigten. Malend, gestaltend und durch Bewegung erarbeiteten die Kinder ihren eigenen Zugriff auf Anna Hoghtons Erzählung und die vielen faszinierenden mythischen Wesen, von denen es im Text nur so wimmelt. Der Workshop stand dabei ganz im Einklang mit dem Ansatz des Jungen Programms des internationalen literaturfestivals berlin, junge Menschen nicht nur für das Lesen, sondern auch für die mediale Vielschichtigkeit der Literatur zu begeistern und aktive, kreative Begegnungen mit Literatur zu ermöglichen.
"Orla und die Wilde Jagd" erzählt die Geschichte des Mädchens Orla, die nach dem Tod ihrer Mutter ein Stückchen Familie bei ihrer Großmutter in Irland findet. Als ihre Großmutter plötzlich verschwindet und Feen, Pukas, Monster und Riesen auftauchen, müssen Orla und ihr Bruder Apollo im Team arbeiten, um sie zu retten. Verfolgt von dunklen Gestalten und Wesen, die vom Unglück der Menschen leben, begeben sich die beiden Kinder auf ein großes Abenteuer durch den Wald. So wie "Orla und die Wilde Jagd" die Leser*innen mit in eine phantastische Welt voll von Figuren der irischen Mythologie nimmt, nahm der Workshop die Kinder mit auf eine Erkundungsreise in die Bild-, Klang- und Gefühlswelt des Romans. Gemeinsam mit den Workshopleiterinnen entwickelte die Klasse kleine Bewegungs- und Klangsequenzen, in denen die gestalteten und gewählten Objekte die Hauptrolle spielten. In den drei Tagen des Workshops wurde gemeinsam gelesen, gebastelt, diskutiert und entworfen. Am Ende konnten die Schüler*innen ihre Wilde Jagd stolz Eltern und Bezugspersonen präsentieren.
Wer Interesse hat, in die Dokumentation der kompletten Aufführung der Schüler*innen zu schauen, findet diese hier.
Die erfahrenen Theaterpädagoginnen Laura-Marleen Kreutz und Susann Tamoszus leiteten die Schulklasse dabei an, federnhinterlassende Gestalten, körperlose Wesen und die Klänge des Waldes aus dem Text zu locken und den eigenen Vorstellungsbildern Gestalt zu geben. Dabei kam nicht nur die geheimnisvolle Wilde Jagd auf die Bühne sondern auch ein von den Kindern erarbeitetes Ritual, das das Tor zur Welt des Romans öffnen sollte. In den Räumen der Schaubude wurde Anna Hoghtons Buch zum Ausgangspunkt für eine Erfahrung von Literatur durch szenische Formate, Sound und Licht und den eigenen Körper. "Orla" ist auch ein Buch über große Gefühle: die Trauer der Kinder um die verstorbene Mutter, die Angst vor dem Unbekannten und dem Verlust, wie auch der Mut, sich auf eine ungewisse Reise zu begeben. Die Kinder wurden eingeladen, sich diesen Themen ausgehend von ihren eigenen Erfahrungen zu nähern: Was macht euch traurig, was entspannt euch? Die eigene Lebenswelt der Kinder baute nicht nur eine Brücke zu den Figuren des Romans und ihrem inneren Erleben, sondern ging auch in die Erarbeitung der kleinen choreographierten Szenen ein, die "Orla und die Wilde Jagd" für die Bühne zum Leben erweckten.
Wir danken allen Schüler*innen der 5. Klasse der Grundschule an der Marie für ihre großartigen Beiträge und ihre Begeisterung, sich selbst gestaltend in den Text zu stürzen und und ihrer Lehrerin Jeanette Arndt für die Initiative und Begleitung. Großer Dank geht auch an das Team der Schaubude für die engagierte Arbeit mit dem Text und die wundervolle Begleitung der Kinder bei ihrer Erkundung.
Workshopleitung: Laura-Marleen Kreutz & Susann Tamoszus (Schaubude)Kuration und Organisation Workshopprogramm Junges Programm: Maud Ruget (ilb)
Video & Schnitt Workshopdokumentation: Lea Röwer (Schaubude)
Interview & Schnitt: Jan Fusek
Text: Sima Ehrentraut
Der Workshop fand im Rahmen des Jungen Programms des internationalen literaturfestivals berlin (ilb) 2025 statt und war Teil der diesjährigen kooperativen Reihe Echo. Echo: Ghosts of the Past zwischen dem Cluster und dem Festival. Das Junge Programm des ilb präsentierte 2025 ein vielfältiges Angebot bestehend aus rund 55 Lesungen und Workshops. Seine Aktivitäten verstehen sich als umfassende Initiative zur interaktiven Leseförderung und Stärkung interkultureller Kompetenzen. Der Workshop wurde finanziert und mitbetreut vom Exzellenzcluster Temporal Communities. Das Team des Jungen Programms des ilb hat den Workshop organisiert.

