Conference: Berlin Ediert!

Apr 26, 2019 - Apr 28, 2019

Berliner Editionsprojekte stellen sich vor

organisiert von Prof. Dr. Anne Eusterschulte und Prof. Dr. Glenn W. Most

Kooperation des Sonderforschungsbereich 980 "Episteme in Bewegung. Wissenstransfer von der Alten Welt bis in die Frühe Neuzeit" mit dem Exzellenzcluster "Temporal Communities. Doing Literature in a Global Perspective", der Alexander von Humboldt Stiftung und der Humboldt Universität zu Berlin.

Die Tagung macht es sich zur Aufgabe, in Berlin ansässige Editionsprojekte in einen Dialog zu bringen und damit Berlin als traditionsreiches Zentrum bedeutender Editionen wieder sichtbar zu machen. Ebenso verfolgt sie das Ziel, den wissensgeschichtlichen Status von Philologien innerhalb der Geistes- und Humanwissenschaften in den Fokus zu rücken und hierbei insbeondere aus transkultureller, komparativer Perspektive zu zeigen, dass und wie Texteditionen den Transfer von Wissen bzw. die Entstehung von Traditionsbildungen bestimmen. Um hier sowohl einer kulturübergreifenden als auch einer longue durée-Perspektive gerecht zu werden, sind im Rahmen der Tagung Editionen zur Vorstellung ihrer Editionsarbeit, ihrer Textbestände und philologischen Verfahren eingeladen, die sich in unterschiedlichen kulturellen Manuskriptkulturen und Zeiträumen situieren.

Um Anmeldung wird gebeten unter: miro.hermann@posteo.de

Teilnehmende Editionsprojekte

Konzept

(Anne Eusterschulte und Glenn W. Most)

An Editionen werden Dimensionen einer Konstitution von Temporalstrukturen aber auch hieran gebundene Dynamiken von Wissensvermittlung und damit eines Wissenstransfers evident: Editionen bereiten Textbestände und Manuskriptüberlieferungen für eine zukünftige Leserschaft vor. Sie konstituieren über Verfahren der Sichtung, Erschließung, Auswahl, Sammlung und Zusammenstellung sowie über kritisch-hermeneutische Verfahren der Textaufbereitung, Kommentierung und Textdisposition sowie schließlich über die jeweilige Gestaltung von Textausgaben Referenztexte für eine nachhaltige Bewahrung und Vermittlung. Editionsphilologie und ihre Verfahren besitzen eine Schlüsselfunktion in Hinsicht auf Prozesse der Wissensgenerierung und -veränderung. Sie bringen Wissensbestände in textualer Form in Umlauf, verschränken Traditionen, bestimmen Lesarten und Praktiken der Wissensaneignung nicht zuletzt in Hinsicht auf institutionelle Kontexte wie Schulbildungen, Bibliotheken, Archive, Gelehrtenzirkel oder Lehr- und Lernmethoden. Dabei greifen je unterschiedliche Editionsprinzipien und -verfahren im Umgang mit Überlieferungen, variierenden Textbeständen und Zeugnissen.

Der 'Text', der über Editionen Publizität erhält, ist niemals etwas zeitlos Gegebenes, sondern jeweils selbst Produkt von temporalen Verständnisweisen editorischer Prinzipien und den praktizierenden Akteurskonstellationen (temporal communities). Dabei spielen kontextspezifische Strategien der Wissensvermittlung oder -aneignung für epistemische Transferprozesse ebenso eine maßgebliche Rolle wie ganz konkrete Fragen der medialen und materialen Präsentation von Wissen (Buchmedien, Genres, Gestaltungsweisen). Editionen generieren über die Figurierung historischer Wissensbestände einen spezifischen Zugriff auf vergangene Wissenskulturen. Sie konstituieren Textüberlieferungen bzw. identifizieren oder authentifizieren Traditionsbestände und beanspruchen vielfach, authoritative Text bereitzustellen.

Editionen sind im diesem Sinne Medien, an denen sich Konzepte von Geschichtlichkeit manifestieren. Sie prägen Prozesse der Historisierung von Wissen. Kanonbildungen zeigen hier nicht zuletzt im transkulturellen Vergleich die unterschiedlichen Dynamiken von Wissensbewegungen und die Genese von Traditionen. Auswahl- und Ausschlussprinzipien in Hinsicht auf Quellenbestände und deren jeweilige Kontexte sind hierfür ebenso relevant wie etwa kommentierte Ausgaben oder Übersetzungen. Gleichzeitig antizipieren Editionen, sei es in Gestalt von Ersteditionen oder Erstveröffentlichungen aber auch in Form von revidierten Editionen bereits bekannter Textbestände nicht nur eine zukünftige Leserschaft, sondern sie wirken sich in globaler Perspektive auf den Literaturmarkt, auf Kanonbildungen und insbesondere die Verflechtung von Texttraditionen und deren institutionelle Aneignung aus. Dieser Zukunftshorizont wird in Bezug auf aktuelle Editionspraktiken auch anhand digitalter Publikations- und Distributionsprinzipien zu diskutieren sein. In all diesen Hinsichten konstituieren Editionen Dynamiken von Temporalität und Wissenstransfer.

Die Konferenz wird dies in vergleichender Perspektive und auf materialorientierter Basis zur Diskussion stellen: Beteiligt sind die Kalila Wa-Dimna-Edition (Gründler/FU), die Avesta-Edition (Cantera/FU), die Hannah Arendt-Edition (Hahn, Wild, Kappelhoff, Vowinkel, Geulen, Eusterschulte/ Vanderbilt University, Bard College NY, ZZF, ZfL, FU), die Uwe Johnson-Edition (Helbig/ BBAW/Rostock), die Lohenstein-Edition (Neuber/FU) und die Leibniz-Edition (Wenchao Li/ Potsdam/BBAW).

Die Tagung "Berlin Ediert!" ist ein Kooperationsprojekt der Forschungsgruppe "Edition Practices", die von Glenn W. Most (Pisa/Chicago) im Rahmen des von der Alexander von Humboldt-Stiftung verliehenen Anneliese Maier Forschungspreises ins Leben gerufen wurde, mit dem SFB 980 "Episteme in Bewegung. Wissenstransfer von der Alten Welt bis in die Frühe Neuzeit" und dem Exzellenzcluster 2020 "Temporal Communities. Doing Literature in a Global Perspektive" (Research Area III: Future Perfect).

Konzipiert und organisiert in Kooperation mit dem philosophischen Teilprojekt B03 "Imaginatio. Imaginatives Sehen und Wissen – Theorien mentaler Bildlichkeit in Philosophie und Theologie des Mittelalters" des SFB 980 "Episteme in Bewegung" unter der Leitung von Prof. Dr. Anne Eusterschulte

Kontakt, Information und Anmeldung unter: miro.hermann@posteo.de

Time & Location

Apr 26, 2019 - Apr 28, 2019

Freie Universität Berlin
Topoi Building Dahlem
Hittorfstraße 18
14195 Berlin