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Workshop | Celan in der bildenden Kunst der Gegenwart

Mar 02, 2023 - Mar 03, 2023

Organisiert von Diego León-Villagrá (Freie Universität Berlin) und Friederike Felicitas Günther (Freie Universität Berlin), Research Area 4: "Literary Currencies".

Vom „Austesten und Erraten“ spricht Paul Celan mit Blick auf die Arbeiten von Gisèle Celan-Lestrange – die in vielen ihrer Bilder sein Werk kommentierte – wie auch auf die moderne französische Druckgrafik überhaupt. Ebenso wie seine Lyrik sei diese Kunstform „nur scheinbar abstrakt, ungegenständlich; ihre kristallographischen Gebärden sind sichtbar gemachte Formeln“. Die tentative und produktive Auseinandersetzung der Bildenden Künste mit Leben und Werk Paul Celans setzt sich bis in die Gegenwart fort. In einer großen medialen und formalen Vielfalt spiegelt es sich in traditionellen und modernen Ausdrucksformen der bildenden Künste. Celans Grenzgänge am Rande der Sprache, die kristallinen Zeugnisse einer Dichtung, die in existenzieller Bedrängnis ein kaum mehr vorhandenes Gegenüber anruft, finden in der bildenden Kunst bis in die Gegenwart hinein ein vielstimmiges Echo.

Allein in den letzten Jahren wurden dabei mehrere konzeptuell ganz auf das Werk Paul Celans ausgerichtete Ausstellungen realisiert, etwa „Corona“ in der Brüsseler Dvir Gallery (2020) mit Arbeiten von Ariel Schlesinger, Douglas Gordon, Latifa Echakhch, Mircea Cantor, Miroslaw Balka und Sarah Ortmeyer, „Hommage an Paul Celan“ (2020) mit Arbeiten von Thomas Duttenhoefer, Alexander Polzin, Joseph Semah und Markus Daum oder die von Benjamin Kaufmann kuratierte Ausstellung „Sand aus den Uhren“ im Wiener Angewandte Innovation Laboratory (2016). Besondere Aufmerksamkeit wurde international dem Werk von Edmund de Waal und Anselm Kiefer zuteil, etwa Kiefers monumentaler Ausstellung „Pour Paul Celan“ mit bis zu 4 x 13 Meter großen Gemälden im Grand Palais Ephémère in Paris (2021/22), die von Chris Dercon kuratiert und Emmanuel Macron eröffnet wurde. Wie global sich das Inte­resse der bildenden Künste an Celan gestaltet, zeigt unter vielen anderen das Oeuvre von Joseph Semah (*1948 in Bagdad, Irak), Doris Salcedo (*1958 in Bogotá, Honduras), Latifa Echakhch (*1974 in El Khnansa, Marokko) oder Ariel Schlesinger (*1980 in Jerusalem, Israel).

Im Workshop, der im März 2023 im Literarischen Colloquium Berlin stattfinden soll, sind bildende Künstler:innen eingeladen, in Beiträgen und Gesprächen von ihrem Bezug auf Ce­lans Leben und Werk berichten. Diese Gespräche werden von wissenschaftlichen Beiträgen und Diskussionen zu einzelnen Kunstwerken begleitet. Anhand von ausgewählten Installa­tionen, Skulpturen, Graphic Novels und Gemälden seit 2000 sollen die von Celans Werk ausgehenden bildnerischen Anverwandlungen und Fortschreibungen thematisiert werden. Die explizit interdisziplinär zu verstehende Fragestellung, wie sich diese Lektüren aus philologischer und künstlerischer Perspektive kontrastieren, decken oder komplementieren, steht dabei gemeinsam mit der Frage nach der spezifischen Hermeneutik bildender Künstler:innen im Mittelpunkt. Welche Werke oder Aspekte von Celans Leben werden Thema der visuellen Künste und warum gerade diese? Welche medialen Transferdynamiken lassen sich beobachten? Was fügt die bildende Kunst der Gegenwart dem Werk Celans hinzu? Lässt sich der mediale Transfer auch auf sprachliche Übersetzungsprozesse beziehen, die Celan selbst in seinem Werk vielfach thematisiert hat?

Diese und viele weitere Fragen werden Ausgangspunkt der Diskussionen im Workshop sein, der mit einigen Gästen in Präsenz sowie digital übertragen mit internationalen Teilneh­mer:innen stattfinden soll.

Ausgewählte Beiträge des Workshops werden in das Forum der Celan-Perspektiven 5 (2023) aufgenommen.

Sprache: Deutsch und Englisch.

Time & Location

Mar 02, 2023 - Mar 03, 2023

Literarisches Colloquium Berlin
Am Sandwerder 5
14109 Berlin

Further Information

Für weitere Informationen wenden Sie sich an Diego León-Villagrá, d.leon-villagra@fu-berlin.de.