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Workshop und Buchvorstellungen | "… wie überstarkes Licht das Auge blendet": Musik und Sprache nach Adorno

Oct 23, 2026 - Oct 24, 2026
Poster | Workshop "'… wie überstarkes Licht das Auge blendet': Musik und Sprache nach Adorno – Workshop und Buchvorstellungen"

Poster | Workshop "'… wie überstarkes Licht das Auge blendet': Musik und Sprache nach Adorno – Workshop und Buchvorstellungen"

Veranstaltung der Friedrich Schlegel Graduiertenschule für literaturwissenschaftliche Studien (FSGS) mit Unterstützung durch den EXC 2020. Organisiert von Johannes Klein (Universität für Musik und darstellende Kunst Wien) und Tobias Klein (Freie Universität Berlin/FSGS). 

Das Werk Adornos kann in seiner Gesamtheit als ein Ringen mit den Möglichkeiten und Grenzen (philosophischer) Sprache verstanden werden. Geleitet von einem emphatischen Wahrheitsanspruch, der nicht jenseits von Vernunft und Diskursivität sein kann, sich aber auch nicht in dem erschöpft, was der begrifflichen Sprache kommensurabel oder faktisch der Fall wäre, rückt schon früh in seinem Schaffen das Verhältnis von Philosophie und Musik ins Zentrum seines Interesses. Eingedenk der Lebendigkeit von Selbst, Sprache und Wirklichkeit, erkennt er in der musikalischen Sprachform und ihren „utopischen“ und zugleich „hoffnungslosen Anstrengungen“ (AGS 18, 154) um den „göttlichen Namen“ (AGS 16, 252) nicht nur die Beziehung zur Philosophie begründet, sondern auch dasjenige aufbewahrt, was das falsche Ganze übersteigt und das die Philosophie durch ihre Diskursivität nur positiv behaupten und damit als endlich aufgehoben und eingeholt hinstellen kann. 
Drohen Philosophie und Musik – im Angesicht der Katastrophen des 20. Jahrhunderts sowie Kulturindustrie und dem, was Adorno als „falsch auferstandene Metaphysik“ (AGS 6, 352) bezeichnet –, gleichermaßen zu verstummen oder zur Ideologie zu verkommen, dann verweist dies auf ein objektives Problem, das nicht nur eine (Sprach-)Krise der Philosophie, sondern auch eine der Musik adressiert. Indem Musik jedoch in der Gegenwart ein prekäres, rettendes Moment aufbewahrt, das der Philosophie im Zuge ihrer Verwissenschaftlichung vollends verloren zu gehen droht, fungiert sie als Statthalter einer „wahre[n] Sprache“ (AGS 16, 261) und lässt Adornos Musikphilosophie als spezifische Auseinandersetzung mit der eigenen Darstellungsform lesbar werden – ein philosophisches Projekt, das letztlich dasjenige adressiert, was sich als materialistische „Solidarität mit Metaphysik im Augenblick ihres Sturzes“ (AGS 6, 400) beschreiben ließe. 

Im Workshop möchten wir den gemeinsamen Versuch unternehmen, die äußerst spannungsreichen Problemstellungen, die sich bei Adorno abzeichnen, in den geistesgeschichtlichen Kontext einer Krise von Metaphysik und Moderne sowie die Entwicklungen der Kunst im 20. Jahrhundert zu stellen und an seine Überlegungen zur rettenden Sprachform der Musik zu binden.

Der Workshop wird von einem Abendprogramm und zwei Buchvorstellungen begleitet: Zum Abschluss des ersten Workshop-Tages werden Anne Eusterschulte und Michael Schwarz die von ihnen herausgegebenen Vorlesungen zur Ästhetik Adornos (1961/62) präsentieren und im Anschluss wird es noch einen kleinen Empfang geben. Am Samstag enden wir mit der Vorstellung des neuen Buches von Claus-Steffen Mahnkopf (Die Stimme der Musik: Eine Musikphilosophie).

(FSGS)

Programm

Freitag, 23.10.2026

10:15 Begrüßung

10:30 Errol Boon (Berlin): Aesthetic Theory as the Refuge of Metaphysics

11:30 Kaffeepause

11:45 Conrad Mattli (Basel): Warum ist Beethoven wahrer als Hegel?

12:45 Mittagspause

14:00 Martin Mettin (Berlin): Mit musikalischem Blick: Zum Verhältnis von Klang und Bild nach Adorno

15:00 Kaffeepause

15:15 Anne Eusterschulte (Berlin): „Windstriche“: Theodor W. Adorno liest Paul Valéry

16:15 Kaffeepause

16:30 Claus-Steffen Mahnkopf (Leipzig): Musik als Sprache nach und deswegen anders als Adorno

Abendprogramm

18:00 Buchvorstellung Anne Eusterschulte und Michael Schwarz (Hg.): Theodor W. Adorno, Ästhetik (1961/62)

Ab 19:30 Weinempfang und Buffet

Samstag, 24.10.2026

12:00 Johannes Klein (Wien): „… Musik, die das von Worten Unaussprechliche spricht“: Adornos Mahler

13:00 Kaffeepause

13:15 Han-Gyeol Lie (Graz): Wie-sen-grund: Zur Suspension des Namens bei Adorno

14:15 Kaffeepause

14:30 Christoph Hesse (Berlin): Dem Weltgeist das Wort finden: Was Adorno an den Sprachmanieren von Marx suspekt war

15:30 Kaffeepause

15:45 Christoph Haffter (Paris): Die Gegenwart des Idiomatischen

16:45 Kaffeepause

17:00 Nikolaus Urbanek (Wien): Adornos Gegenwarten

Abendprogramm

18:30 Buchvorstellung Claus-Steffen Mahnkopf: Die Stimme der Musik. Eine Musikphilosophie

20:30 Gemeinsames Abendessen (Selbstzahler)

Time & Location

Oct 23, 2026 - Oct 24, 2026

Freie Universität Berlin
EXC 2020 “Temporal Communities”
Raum 00.05
Otto-von-Simson-Straße 15
14195 Berlin

Further Information

Weitere Informationen und Registrierung: Johannes.Klein@students.mdw.ac.at